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Baumaktion vom 27.07.2008 in Potsdam Babelsberg in der Siemensstrasse um 15 Uhr

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Foto Joachim Liebe

Pressemittteilungen:

Quelle: Märkische Allgemeine, Potsdamer Stadtkurier, 29.06.2009

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Hegelallee wird zur Häkelallee Natur Sabine Witte-Kumrow kleidet Eiche ein

Von Steffi Pyanoe

INNENSTADT „Seit ich hier bin, habe ich wohl jede Hunderasse kennen gelernt“, sagt Sabine Witte-Kumrow. Es stimmt, der grüne Mittelstreifen der Hegelallee ist ein beliebter Spazierweg für Frauchen und Fiffi. Mitten auf dem Weg zwischen den beiden Reihen mächtiger Linden steht eine einzelne Eiche, auf die sich Fiffi schon freut. Nur heute Nachmittag ist alles anders: Der Baum ist frisch eingekleidet mit einem sommerlichen Häkelkleid, Stamm und Äste schmückt ein buntes Netz, geknüpft von den fleißigen Händen der Freizeitkünstlerin Witte-Kumrow. Zwei Kilogramm Baumwolle hat sie verarbeitet, nachdem im Mai erstmal ordentlich Maß genommen wurde. Jetzt sieht der Baum aus wie ein Krake in Netzstrümpfen, und nicht wenige Spaziergänger schauen irritiert.

Sabine Witte-Kumrow und ihre Unterstützer offerierten am Samstag Kaffee, Prosecco und Kuchen und kamen mit den Besuchern ins Gespräch. Sie würden sich über Baumpaten freuen, die zukünftige Aktionen dieser Art finanziell unterstützen. „Wir gehen so oft achtlos an den Bäumen vorüber, dabei produzieren sie doch unsere Luft zum Atmen“, sagte die Akteurin aus Langerwisch. „Und etwas Verrücktes muss wohl jeder mal tun“, ergänzt sie lachend. Dass solche Baumverhüllungen gar nicht so unüblich sind, hat sie im Internet recherchiert. Die Christo-Jünger behäkeln weltweit Brückenpfeiler und Laternenmaste, sagt sie. Die Eiche ist mittlerweile von ihrem Packpapier befreit, unter dem Baum bespielt Bettina Hartl sanft ihr Bandoneon. Kumrow hat schon Pläne für den Herbst. Wenn die Blätter fallen, soll das Baumkleid erweitert werden. „Vielleicht kommen noch Handschuhe dran oder Meisenknödel“, ist sie voller Elan. Aber in der Stadtverwaltung konnte ihr auch keiner helfen. Eine Genehmigung vom Ordnungsamt liegt für diese Aktion übrigens vor, ebenso von der Denkmalschutz- und Naturschutzbehörde. Der Vogelschutz musste eingehalten werden, bis Mai nistete im Vogelhaus ein Meisenpärchen. Jetzt ist auch deren Haus umhäkelt, allerdings mit offenem Schlupfloch. Derzeit ist sie mit den Betreibern des Fluxusmuseums im Gespräch. Dort vor dem Eingang steht ein Baum mit einem Stamm von vier Metern Umfang. „Den würde ich gern im Stil der Siebziger einkleiden“, verrät Kumrow.

Artikelansicht der MAZ (Märkische Allgemeine) vom 28.7.2008:

BAUMSCHUTZ Kleid für alten Rotdorn

BABELSBERG Am 13. März fiel fast der gesamte Bestand an Rot- und Weißdornbäumen in der Siemens- und der Wattstraße den umstrittenen Straßenbaumaßnahmen zum Opfer. Nur ein alter Rotdorn in der Siemensstraße konnte gerettet werden. Für die Zeit, die ihm jetzt bevorsteht, muss er sich „warm anziehen“. Deshalb hat ihm gestern Sabine Witte-Kumrow ein Kleid angelegt. MAZ

Artikel der PNN (Potsdamer Neueste Nachrichten) vom 28.7.2008:

Siemensstraße: Letzter Weißdorn umhäkelt Anwohner feierten Kunstaktion auf der Straße

Babelsberg – Der letzte Weißdornbaum in der Siemensstraße ist gestern zum Objekt einer Kunstaktion erhoben worden. Die Freizeit-Künstlerin Sabine Witte-Kumrow hatte zwanzig Stunden lang mit Häkelhaken und Wolle gearbeitet, um dem Stamm des alten Crataegus, wie der botanische Gattungsname lautet, eine Art buntes Netzhemd anzupassen. Seit gestern leuchtet der Baumstamm in Blau mit violetten und bunten Bändern.

„Vielleicht können wir den Baum erhalten, wenn die Siemensstraße demnächst saniert wird“, hofft Wolfgang Rose. Der Bewohner der Siemensstraße gehört zur „Initiative für den Erhalt des historischen Straßenbildes in der Siemens- und Wattstraße“. Die Initiative hatte in den vergangenen Monaten einen hartnäckigen Kampf um die historisch getreue Sanierung der beiden Straßen geführt und die Wiederverwendung der alten Pflastersteine durchgesetzt. Gestern veranstaltete sie anlässlich der Baumstamm-Umhüllung mit Groß und Klein ein Straßen-Happening bei Kaffee und Kuchen.

Wie die Anwohner berichten, fiel am 13. März dieses Jahres der gesamte Bestand an Rot- und Weißdornbäumen in der Siemens- und Wattstraße den bevorstehenden Straßenbaumaßnahmen zum Opfer. „Nur der nun umhäkelte alte Weißdorn konnte vor den Motorsägen gerettet werden“, sagt Rose, der ihn als erhaltenswertes Zeugnis der alten Allee sieht. Bei einem Alter von zirka hundert Jahren ist es nicht mehr das ansehnlichste Exemplar. Die Anwohner meinen jedoch, dass er mit einem behutsamen Kronenschnitt möglicherweise zu vitalisieren wäre. Besondere Vorsicht sei zudem bei den Straßenbaumaßnahmen erforderlich.
„Wir wollen durch die Aktion auf den Verlust aufmerksam machen, den wir durch den Kahlschlag erlitten haben“, sagt Rose. Die Bewohner würden genau beobachten, was mit dem Baum während der Baumaßnahmen passieren werde. Für Sabine Witte-Kumrow steht die künstlerische Seite im Vordergrund. Die Umhüllung mit dem bunten Häkelkleid sei eine Idee, auf die sie erst vor einigen Monaten gekommen sei. „Ich will Sichtweisen verändern, mit der Wahrnehmung spielen, das Gewohnte neu erscheinen lassen, Freude und Farbe in den Alltag bringen“, erklärt sie auf einer Werbekarte ihr Anliegen. Als Material verwendete sie normales bauschiges Häkelgarn, das größtenteils aus Baumwolle besteht. „Schwer zu kriegen und recht teuer“, sagt sie. Für die Verkleidung in der Siemensstraße hatte sie mit einem Restposten im Kaufland-Supermarkt Glück. Witte-Kumrow gibt dem Häkelkleid eine Lebensdauer von mindestens fünf Monaten, wenn keine mutwilligen Zerstörungen stattfinden.

Unklar ist, ob in der Watt- und Siemensstraße wieder Weißdorne gepflanzt werden, nachdem die Pflasterarbeiten abgeschlossen sind. Vorgesehen sind für beide Straßen 150 Neupflanzungen. Zumindest in der Wattstraße seien auf dem schmaleren Grünstreifen künftig Traubenkirschen geplant, hieß es im Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauen im Juli. Günter Schenke

Ausstellung vom 4. bis 18. Mai 2008 in Wilhelmshorst

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